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IMGP4473 „Der lange Weg einer Säule…“ oder Veränderungen am Raum der Stille

 Als der Schulneubau vor einigen Jahren geplant wurde, wollte der Schulträger dem Liborius-Gymnasium auch einen Raum der Stille schenken. Das Ergebnis ist der Raum, den wir alle in den letzten Jahren so sehr schätzen gelernt haben.
Mit der Umsetzung der Säule aus dem Raum der Stille in den angrenzenden Windfang folgt die Gesamtgestaltung nun endlich in großem Maße den Vorüberlegungen zum Neubau. Wir nehmen diese Veränderung zum Anlass, die Gesamtkonzeption des Raumes der Stille zu erklären und dazu einige der damaligen Überlegungen zu zitieren.

 

Theologische Vorüberlegungen

Im Alten Testament offenbart sich Gott dem Mose mit seinem Namen als der “Ich-bin-da”, der “Ich-bin-der-ich-sein-werde” bzw. der “Ich-bin-der-ich-bin” in einem sich verzehrenden brennenden Dornbusch. Gott ist hier einer, der sich mitteilt und bei den Menschen ist. Im weiteren Verlauf der Geschichte Israels im Buch Exodus gelten dann die Wolken- und die Feuersäule als Zeichen der Anwesenheit Gottes unter den Menschen und als Merkmale für die Orientierung des Volkes auf seinem Weg.
Im Neuen Testament offenbart sich Gott in der Person Jesu Christi als einer, der unter den Menschen wohnt und selbst zum Menschen wird. Unter den “geringsten unserer Brüder” ist Gott gegenwärtig. Er ist den Menschen nahe, ist einer unter und von ihnen. Die Tradition der Glaubenden, vor allem die der Mystiker, entdeckte Gott als einen Lebenspartner, der sich auch in jedem einzelnen Menschen selbst offenbart. In der Stille der Selbstbegegnung teilt er sich mit.

 

Anforderungen an einen Gottesdienstraum

Wir wünschen uns einen Raum, durch den Gott und der Gottesdienst an unserer Schule im Zentrum des Schullebens stehen können. Wir wünschen uns, dass dieser Raum im Zentrum des Schullebens, auf Erdgeschossniveau zugänglich ist.
Wir wünschen uns einen Raum der Stille, einen Raum der persönlichen Gottes- und der Selbsterfahrung. Dieser Raum soll jederzeit zugänglich sein und muss genug Platz bieten für eine Zahl von mindestens fünf Personen.
Wir wünschen uns einen Raum, der als Zentrum des Pausengebetes fungieren kann und sich öffnen lässt, um einem Personenkreis von ca. 120 Menschen genügend Platz zu geben.

 

Zur Symbolik des Gottesdienstraumes

  • Meditation

Mose weidete die Schafe und Ziegen seines Schwiegervaters Jitro, des Priesters von Midian. Eines Tages trieb er das Vieh über die Steppe und kam zum Gottesberg Horeb. (...) Er schaute hin: Da brannte der Dornbusch und verbrannte doch nicht. Mose sagte: „Ich will dorthin gehen und mir die außergewöhnliche Erscheinung ansehen. Warum verbrennt denn der Dornbusch nicht? (...) Darauf kehrte Mose zu seinem Schwiegervater Jitro zurück.” ( vgl. Ex 3,1-4,18)
Mose zieht nach Ägypten und führt das Volk Israel aus der Gefangenschaft in die Freiheit und dann in das gelobte Land. Das Zitat lässt bewusst alle Bilder und Worte aus, mit denen die biblische Überlieferung das beschreibt, was zwischen dem Staunen des Mose und seinem Handeln liegt. Diese entziehen sich dem “normalen” Verständnis von Wirklichkeit, ihnen wohnt ein Geheimnis inne, das in dem Bild eines brennenden und nicht verbrennenden Dornbusches zum Ausdruck kommt.
Wem oder was begegnet Mose dort am Berg Horeb? Sich selbst, einem moralischen Anspruch, einer wichtigen rationalen Erkenntnis, einer geschichtlichen Wahrheit, dem Ursprung allen Lebens, Gott? Der Dornbusch am Rande des Berges ist der Ort dieser Begegnung. Er ist das Medium, durch das eine Begegnung stattfindet, die alle Rätsel unseres menschlichen Daseins enthält. Es sind solche besonderen Begegnungen, die einen Menschen vom Schauen zum Handeln bewegen, ihn vom Erkennenden zum Agierenden werden lassen. Jeder Mensch kennt solche Momente, die ihn wirklich verändern.

 

  • Umsetzung

Der Gottesdienstraum an unserer Schule kann auch ein solcher Ort der Begegnung werden. Deshalb liegt er in der Mitte unserer Schule, mittendrin. Er ist als einziger Baukörper rund und durchbricht damit die klare Linienführung, die die Architektin dem übrigen Schulneubau gegeben hat. So soll er den brennenden Dornbusch symbolisieren, in den man eintritt, um einen Ort der Begegnung mit dem ganz Anderen zu finden.
Wer hier eintritt, der betritt ein fremdes Terrain. Deshalb liegt ein grobes Kiesbett im Eingangsbereich dieses runden Baukörpers. Es verunsichert jeden, der diesen Raum betreten will, es lässt uns sinnlich erfahrbar in eine andere Welt eintreten. Weil wir für diesen Weg aber Versicherung benötigen, haben wir in das Kiesbett feste Trittsteine gelegt. Orte, die für uns und unsere Schule wichtig sind, sind an diesem Raum und in unserer Schule präsent. Das Bistum Magdeburg wird durch einen Stein der Sebastians-Kathedrale gegenwärtig, der Hl. Liborius durch einen Kriegstrümmerstein des Domes zu Paderborn; die Spiritualtität des abendländischen Mönchtums zeigt sich durch den Stein aus dem Zisterzienserinnenkloster in Helfta, die Weltkirche durch einen römischen Stein aus der Villa Borghese und die ökumenische Mitte aller christlichen Kirchen durch einen Trittstein aus Taizé. Beim Betreten dieser Steine wird jeder Besucher hineingenommen in den großen Pilgerweg des Lebens, den jeder Mensch beschreitet.

  •  Zwei Säulen

Zwei Säulen, die an die Präsenz Gottes bei der Wüstenwanderung des Volkes Israel erinnern, sollten nach dem Willen der Architekten im Raum der Stille Orientierung geben: Im Fensterbild eine Rauchsäule, die verschiedene Formen des Wassers in Grau- und Blautönen vor Augen führt, und eine rot- und orangefarbene Feuersäule, die im Mittelpunkt steht und den Blick aller zentrieren sollte.
In der Praxis zeigte sich jedoch bald, dass die Säule im Mittelpunkt des Raumes zu oft unseren Blicken im Wege stand. „Vor lauter Säule sehen wir unser Gegenüber schon nicht mehr!“ Auch lebensgeschichtlich erfährt ein glaubender Mensch, dass sich Gott uns eben nicht immer so eindeutig zeigt, wie dies zwei Säulen suggerieren mögen. Ist es nicht vielmehr so, dass wir uns an bestimmten Erfahrungen orientieren und dann selbst eigene Lebensentscheidungen treffen müssen? Wie oft bewegen wir uns im Leben gerade zwischen den uns Orientierung gebenden Elementen! Dieses „Dazwischensein“ des Menschen kommt deutlicher zum Ausdruck, wenn die Feuersäule den Raummittelpunkt verlässt und diesen entleert. Der Raum der Stille liegt deshalb nach dem Umzug der Feuersäule zwischen zwei Markierungspunkten. Er ist nun wirklich der Ort der Stille, an dem ich mich besinnen, Ruhe finden und mich dann auch ausrichten kann für meinen Lebensweg.
“Unser Leben ist eine Reise. Es beginnt und endet in Gott. Es ist eine Reise mit Gott. Diese Reise mit Gott ist eine zutiefst innere Beziehung. Gott ist Geist. Gott ist der Grund meines Lebens... Wichtiger als die äußere Reise meines irdischen Lebens ist die innere Reise zur Mitte meines eigenen Selbst; dorthin, wo Gott wohnt. Das Ziel dieser inneren Reise ist es, mich hinein zu bewegen in die Mitte, wo Gott wohnt, die Quelle des Lebens.” (Aus der Begleitbroschüre der Weizer Wallfahrtskirche, nach Christ in der Gegenwart Nr. 22, 53. Jahrgang (2001) S.183)

  •  Die Mitte

Der runde Raum der Stille schließlich weist auf die Mitte unserer Person, die Mitte menschlicher Gemeinschaft, die Mitte der Welt und letztlich auf Gott. Solcherlei Begegnungen sind keine Augenblicks-Erscheinungen, sondern vielleicht eher ein Prozess. So könnte auf dem Parkettboden unseres Raumes auch ein Labyrinth in die Mitte gelegt werden. Es symbolisierte dann den Weg jedes einzelnen auf die Mitte hin, den Weg zur Begegnung, der eben noch nicht dadurch beendet ist, dass man in diesen “Brennenden Dornbusch” eingetreten ist, sondern der nach dem Eintritt erst beginnt. Ein Labyrinth ist wie ein Spiegel, ein Symbol für den schwierigen und verschlungenen Lebensweg eines Menschen. Es spricht von den Wahrheiten des Lebens, von den Schwierigkeiten und den Kämpfen, aber auch vom Ankommen, von der Mitte und von der neuen Freiheit, wenn man aus dem Labyrinth wieder heraus ist. Das Labyrinth hat zwei Wege, den hinein in die Mitte, und den heraus aus der Mitte.

  • Die Glocke

Wie lädt man Menschen zu Gebet und Meditation ein? Wir haben dazu das alte kirchliche Medium der Glocke gewählt. Eindringlich verschafft sich eine Glocke Gehör, sie ist – angeschlagen – unüberhörbar. Unaufdringlich lässt sie den Hörenden aber die Freiheit, ihrem Ruf zu folgen oder nicht. So entspricht ihr Ruf dem Charakter der Begegnungen, für die der Raum der Stille gebaut wurde: Sie erfassen den Menschen eindringlich, aber sie bedürfen seiner freiwilligen Bereitschaft. Die Glocke symbolisiert mit ihrer klaren Mechanik zugleich einmal mehr, dass Leben erst dann zum Klingen kommt, wenn der Rhythmus von Festhalten und Loslassen eingehalten wird. Deshalb ist es uns wichtig, dass unsere Glocke per Hand- und Muskelkraft betätigt wird, möglichst von den Schülern selbst.

 

Ökumene in Steinen

IMGP4468

Lebenswege sind vielfältig, niemand kennt sie im Voraus, manchmal sind sie erst im Rückblick überhaupt als Wege erkennbar.
Glaubenswege sind da nicht anders. Vielleicht sind sie noch viel schwieriger zu finden und zu begehen. Der Partner des Glaubens ist nämlich kein Verfügbarer, sondern einer, der sich uns entziehen kann, der Rätsel aufgibt und der uns Menschen auch verunsichert.
Der Raum der Stille hat deshalb an unserer Schule einen Vorraum, der dies durch seinen unsicheren Untergrund anzeigt. Zugleich enthält der Untergrund auch feste Trittsteine, die uns an spirituelle Traditionen erinnern, die uns Wegweiser, Vorbild oder auch Hilfe sein können: Helfta, Magdeburg, Rom und Taizé.
Der anhaltische Kirchenpräsident Liebig hat unserer Schule zum Schulfest am 10. Juni 2011 einen weiteren Trittstein geschenkt, der vom Ursprungsort der Reformation, der Schlosskirche zu Wittenberg, stammt. Er mag für die vielen protestantischen Glaubenstraditionen stehen und wird unsere spirituelle Mitte am Raum der Stille bereichern. Mit einem kleinen gottesdienstlichen Ritual haben wir den Stein entgegen genommen und ihm einen Platz im Vorraum gegeben.
Wir freuen uns sehr über dieses besondere Zeichen gelebter Ökumene.

Bernd Krueger

 

Kreuzwege

Manchmal dauert es sehr lang von der Idee bis zu ihrer Realisation. Bereits im Frühjahr 2009 entstand der Wunsch zur Umgestaltung einer Wand im Glasverbinder unserer Schule. Geht es aber um die Veränderung eines öffentlichen Raumes im Schulhaus, sind viele Fragen vorher zu klären, inhaltliche und technische, aber auch organisatorische, finanzielle und ästhetische. Seither wurde die Realisation der Idee immer wieder von solchen Fragen durchkreuzt. Der jetzt neu gehängte Kreuzweg hat also wirkliche Kreuzwege bereits hinter sich.
In der Fastenzeit 2009 war er für Schüler und Lehrer Meditationsobjekt geworden und hatte alle sehr beeindruckt. In Gegenrichtung –von rechts nach links – zeigt er Szenen der Passion Jesu. Die Farb- und Motivwahl des Bilder-Zyklus’ der Künstlerin Cynthia Anna-Maria Tokaya aus den Niederlanden, die den damaligen Ökumenischen Kreuzweg der Jugend gestaltete, scheint wie für unser modernes Schulhaus gemacht.
So mag dieser Kreuzweg uns nun begleiten und vielleicht gerade dann, wenn unsere Wege durchkreuzt werden, den Blick auf sich ziehen und uns geleiten.

Bernd Krueger

Mit dem dritten Auge tiefer sehen

Unter dieser Überschrift konnte man in der Schulschrift 2005/2006 einen Artikel über verschiedene Orte im Schulhaus lesen (Steine im Windfang des Haupteingangs, die Foyer-Gestaltung und das Netz im Erdgeschoss des B-Gebäudes).
Im Rahmen einer ganzheitlichen Erziehung sollen alle Mitglieder unserer Schulgemeinschaft bereits durch die Gestaltung unseres Gebäudes Anregungen erhalten, immer wieder neu „tiefer sehen“ zu wollen.
Als Ergänzung des letzten Artikels sollen heute weitere Orte vorgestellt werden, die im Laufe des letzten Schuljahres entstanden sind.

 

Ein Ort für unsere Gefühle…

Das Zusammenleben von weit über sechshundert Menschen am Liborius-Gymnasium wird zu einem wesentlichen Teil durch routiniertes Handeln bestimmt (z.B. durch Stundenpläne, Pausenzeiten, Terminpläne…). Zugleich erleben und erfahren wir alle solche Situationen, die uns emotional anrühren, beschäftigen und manchmal auch gar nicht mehr loslassen. Unsere Gefühle bestimmen unseren Alltag und wollen erlebt, erfahren und verarbeitet werden.
Deshalb hatten wir schon sehr lange das Bedürfnis, einen Ort zu gestalten, an dem Gefühle verschiedenster Art ausgesprochen, abgelegt, auch öffentlich gemacht und verarbeitet werden können, aber eben auch präsent bleiben.
Wir errichteten deshalb aus grob gebrochenen Steinen eine Mauer der Erinnerung als einen im Schulhaus öffentlichen Ort an einer zentralen Stelle des Glasverbinders. Dort steht in einer Lücke zwischen den Steinen die Holzskulptur „Gedächtniskerze“ des weißrussischen Künstlers Sergej Zhilevich, die sowohl eine Kerze der Erinnerung, als auch eine Schutzmantelmadonna symbolisieren kann.

 Ein Text lädt an dieser Mauer ein:

 

Oft bestimmen starke Gefühle unseren Alltag.
 Manchmal tut es gut, sie heraus zu lassen oder sie abzulegen.
Hier kannst Du es tun:
Mit Deiner Stille,
mit Deinem Teelicht,
mit Deinem Zettel …

 An der Wand stehen und hängen kleine Zettel mit der Aufschrift:

Schmerz, Freude, Angst, Liebe, Vertrauen, Glaube, Sorgen, Scheitern, Hoffnung

 Als dieser Ort gemeinsam mit der SV-Aktion zum 9. November 2007 eingeweiht wurde, ahnten wir noch nicht, dass er im April und Mai nach dem tödlichen Unfall unseres Schülers Maximilian Lautenbach zu einer zentralen Stelle unserer Trauer werden sollte.

 

Das neue Kreuz in der Aula

 Unsere Aula gehört zu den zentralen Orten der Schule. Auch in diesem Raum sollte daher ein christliches Symbol sichtbar sein.
Die konkrete Bauausführung und Gestaltung des Raumes machte dies nicht einfach. Glasfronten bestimmen zwei Seitenwände, die Essenausgabe und eine sehr breite Verteilung von Lichtschaltern, Notausgangsschildern und Türen versperren die dritte. Die Eingangsseite schließlich ist durch eine gelochte Holzvertäfelung sehr unruhig gestaltet. Zugleich schneidet der zentrale Ort unserer Schule, der Raum der Stille, eine Fensterseite der Aula. Diese schwierige Aufgabenstellung machte den Prozess der Gestaltung zu einem, der sich über mehrere Jahre hinzog.
Mit dem Hamburger Künstler Andreas Kasparek fanden wir dann bereits vor mehreren Jahren einen kompetenten Gesprächspartner, der sich mit uns auf einen eigenen Weg machte, mehrere Entwürfe zeichnete und auch mehrmals die Reise nach Dessau antrat, um an Holzmodellen Größe und Wirkung des geplanten Kunstobjektes zu prüfen. Die Werkstoffe unseres Neubaus hatten uns auf die Werke von Herrn Kasparek aufmerksam gemacht: er experimentiert mit den Materialien Stahl und Aluminium und gibt ihm Leichtigkeit und eine klare Aussagekraft.
Für unsere Aula schlug Herr Kasparek uns ein frei stehendes, leicht spiegelndes hohes Kreuz aus Aluminium vor, das sowohl den Raum der Stille betont, als auch eigenständig in den Raum hineingreift. So wirkt es, ohne dominant alle Blicke auf sich zu ziehen.
Diese Gedanken entsprechen dem Raum und seinen Erfordernissen und zugleich der inhaltlichen Arbeit an unserer Schule. Christliche Erziehung ist vor allem eine Einladung. Sie will prägen und etwas bewirken, aber sie will sich nicht dominant vor die Menschen stellen.
So ist in unserer schönen Aula ein eigener Ort entstanden, der den inneren Blick auf den Sinnkern unseres Lebens lenkt. Mögen viele Betrachter dieser Einladung folgen.kreuz.glasverbinder

 

Christus als die Lücke im Stahl – das Kreuz vor dem Religionsraum

  Auch im Glasverbinder vor dem Eingang zu den Religions- und Meditationsräumen gab es eine freie Fläche, die nach Gestaltung rief. Hier sollte einerseits ein christliches Symbol Blicke auf diese Wand ziehen, andererseits sollte eine gestalterische Einladung in Richtung auf die Religionsräume entstehen.
Auch hier entschieden wir uns für ein Kunstwerk von Andreas Kasparek aus Hamburg, das er aus Corten-Stahl gefertigt und mit einer Rostpatina versehen hat.
Seine Darstellung der Kreuzigung macht Christus zu dem, der den kalten Stahl durchbricht und ihm Leichtigkeit und Leben gibt. Der tote Christus am Kreuz ist das Lebendige an dieser Darstellung!
Wer Zeit und Lust hat, möge sich diesem Blick auf Kreuz und Leid einmal zuwenden…

 

Christus zwischen den Rosen

 Paul Gerhard war die zentrale Figur eines Pausengebetes, dass Frau Moori mit ihrer evangelischen Religionsgruppe der Klasse 12 zum Paul-Gerhard-Jahr vorbereitet hat. Ein Bild des ökumenischen Kreuzweges der Jugend stand im Mittelpunkt dieses Gottesdienstes. Nachdem die Schülerin Sophie Puhlmann (Abitur 2008) die Passionsdarstellung Jesu am Kreuz mit einem Hintergrund aus roten Rosen und grünen Blättern eingerahmt hatte, war uns klar, dass dieses Bild „bleiben“ sollte. Es hängt nun im Treppenaufgang des Glasverbinders und lädt zur Betrachtung und zum Innehalten während des Schultages ein.

 Christus zwischen den Rosen

 
Keine Rose ohne Dornen
aber auch nicht ohne Blüten.
 
Kein Leben ohne Leiden
aber auch nicht ohne Liebe.
 
Kein Glaube ohne Zweifel
aber auch nicht ohne Hoffnung…
 

… schau mit Deinem inneren Auge, vielleicht findest Du noch weitere solcher Orte auf unserem Schulgelände!

 Bernd Krueger

 

Mit dem dritten Auge tiefer sehen

Menschen erschließen sich ihre Welt in großem Maße über Visuelles. Unsere Augen sind die wichtigsten Sinnesorgane im Kontakt mit unserer Außenwelt. Dennoch blicken sie immer dort ,,nicht durch“, wo sich die Wirklichkeit eben nicht oberflächlich visuell erschließt. Antoine Saint- Exupery sagt, dass man nur mit dem Herzen gut sehen könne. Wir brauchen also eine Art ,,drittes Auge“, das wahrnimmt, was sich oberflächlich und visuell nicht erfahren lässt.
Eine ganzheitliche Erziehung wird immer versuchen, Schülerinnen und Schüler für unser ,,drittes Auge“ aufzuschließen und so Gefühle und Stimmungen wahrzunehmen und – gerade auch an einer christlichen Schule – die Ebene der Transzendenz erfahrbar werden zu lassen.
An unserer Schule geschieht dies in vielen unterrichtlichen Zusammenhängen, aber auch überall dort, wo Schüler und Lehrer miteinander Erfahrungen machen, sei es auf Klassenfahrten, Wandertagen oder Projektwochen.
Einen anderen Ort der Lernerfahrungen für unser ,,drittes Auge“ soll unser Schulgebäude bilden, denn auch die Räume, in denen wir leben und arbeiten, können Botschaften übermitteln und Erfahrungen ermöglichen. Seit dem Schuljahr 2005/2006 haben wir dieses Standbein einer ganzheizlichen Erziehung noch einmal verstärkt.

Steine im Windfang des Haupteingangs

Wer unsere Schule betritt, der kann seit dem Sommer folgendes Bild sehen und die dort liegenden Texte lesen.

Du betrittst ein Haus,

erbaut aus vielen Steinen.
Es wurde errichtet,
aber es ist noch nicht fertig.
 
Denn in ihm wohnt noch ein anderes Haus:
Das innere Haus der Menschen,
die hier leben und arbeiten.
 
Dieses innere Haus besteht
aus vielen Personen,
ihren Beziehungen zueinander,
ihren Träumen und Sehnsüchten.
 
Komm herein und begegne den Menschen,
bau mit an unseren Beziehungen,
entwirf gemeinsam mit anderen Pläne
zu unseren Träumen und Sehnsüchten!
 
Zum Zeichen dafür,
dass am inneren Haus unserer Schule
ständig weiter gebaut wird,
liegen hier Steine,
gesammelt beim Umbau in den
alten Gebäuden,
auf den Feldern des Fläming
und an der Elbe und Mulde.
 
Wenn du Lust hast,
kannst du an diesem inneren Haus
unserer Schule mitbauen
und auch als äußeres Zeichen
(d)einen Stein hinzufügen.
 

Das Eingangsarrangement unserer Schule lädt ein, uns mit dem inneren Auge zu betrachten und fordert jeden Betrachter auf, aktiv an der Gestaltung unseres Schullebens teilzunehmen. Die Steine sind das äußere Zeichen für unser ,,inneres Haus“, aber auch für die Teilnahmne an der aktiven Gestaltung; jeder mag sich anstecken lassen, dieses Arrangement lebendig zu machen, indem er oder sie einen eigenen Stein hinzugefügt.

...herzlich willkommen in unserer Schule

Das Foyer unseres Schulgebäude ist ein weiterer Ort, an unser Blick mit einem äußeren Zeichen in die Tiefe gelenkt wird.
Im Boden versenkt liegt hier ein Steinvom zweiten Weltkrieg fast völlig zerstörten Paderborner Dom. Er verweist uns auf den Namenspatron unserer Schule, den Hl. Liborius, dessen Wirkungsstätte in Westfrankreich lag und dessen Gebeine seit Jahrhunderten im Paderborner Dom ruhen. Er verbindet uns mit der tiefen christlichen Tradition Europas und kann uns in Berührung bringen mit unserer eigenen spirituellen Sehnsucht.

Seit dem Herbst 2005 haben wir begonnen, den Ort um diesen Stein herum zu gestalten. Brauchtum und Traditionen des Kirchenjahres bilden den inhaltlichen Kern dieser Gestaltung. Dazu gehörten beispielsweise Erntegaben im Herbst, Kreuz und Tod im November, Lichter, Tannengrün und violette Tücher im Advent, und das Kreuz in der Fastenzeit. Während den liturgisch nicht besonders geprägten Zeiten, hängt über dem Stein ein Bild des Hl. Liborius. Es ist ein Foto einer Liborius-Figur, die auf dem Chorgestühl des Paderborner Domes zu sehen ist. Christusgleich bereitet die Figur des Liborius ihre Arme einladend aus und sagt so allen Schülern, Lehrern, Eltern und Besuchern: sei willkommen in unserem Hause; wir freuen uns auf deinen Besuch; lebe mit uns unsere Gemeinschaft untereinander und mit Gott.

Bernd Krueger

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